Hitze & Schlaf · Städteranking

Wo Deutschland am wärmsten schläft

In Stuttgart und Frankfurt blieb es in diesem Sommer 17 Nächte lang nicht unter 20 Grad. In Augsburg, Regensburg und Ulm kein einziges Mal.

Die belastendste Stunde eines Hitzetags ist nicht der Mittag, sondern die Nacht. Zum Einschlafen senkt der Körper seine Kerntemperatur ab, und guter, tiefer Schlaf gelingt nur, wenn die Umgebung dabei mitkühlt. Bleibt die Wärme über Nacht stehen, verzögert sich das Einschlafen, der Schlaf wird flacher, die Erholung fehlt. Genau das beschreibt eine Tropennacht: eine Nacht, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt.

Coway Europe hat ausgewertet, wo diese Nächte am häufigsten auftreten. Grundlage sind die amtlichen Nachtminima des Deutschen Wetterdienstes für 42 deutsche Großstädte, vom 1. Juni bis zum 20. August. Das Ranking zeigt, wo das Schlafen in diesem Sommer am schwersten fiel – und wo die Nächte kühl genug blieben.

Wo das Schlafen am schwersten fiel: Tropennächte je Großstadt, Sommer 2026

Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sank, 1. Juni bis 20. August. Graue Punkte: Wert im Vorjahreszeitraum.

Sommer 2026 Sommer 2025 Bei mehreren Messstationen je Stadt: Mittelwert, Spanne in Klammern.

Auswertung: Coway Europe · Datenquelle: DWD Climate Data Center

17
Nächte ohne Abkühlung unter 20 Grad in Stuttgart und Frankfurt – die höchsten Werte im Städtevergleich
3
Großstädte, in denen es jede Nacht unter 20 Grad abkühlte: Augsburg, Regensburg, Ulm
25,5 °C
Wärmste Nacht des Sommers – am 26. Juni in Frankfurt am Main

Warum manche Städte nachts nicht abkühlen

Wo schlecht geschlafen wird, entscheidet weniger der Breitengrad als die Lage im Gelände. Auffällig ist, dass die drei Städte mit dem besten Schlafklima – Augsburg, Regensburg und Ulm ohne eine einzige Tropennacht – allesamt in Süddeutschland liegen. Die Spitzengruppe dagegen bildet einen zusammenhängenden Streifen: Frankfurt, Mainz, Mannheim, Stuttgart, Würzburg, Offenbach, alle in den Niederungen von Rhein, Main und Neckar. In diesen Talkesseln staut sich tagsüber erwärmte Luft und fließt nachts kaum ab – die Abkühlung, die der Körper zum Schlafen braucht, bleibt aus.

Die kühlen Großstädte liegen höher. Augsburg (462 m), Regensburg (365 m) und Ulm (593 m) liegen auf Hochflächen der Schwäbischen und Fränkischen Alb beziehungsweise im Alpenvorland.

Im Norden hilft die Küste. Kiel, Rostock, Lübeck und Bremerhaven kommen auf ein bis zwei Nächte – das noch kühle Meerwasser sorgt für Abkühlung, die im Binnenland fehlt.

Berlin liegt im unteren Drittel. Über die vier Messstationen der Hauptstadt gemittelt sind es zwei Tropennächte.

Kreisfläche entspricht der Zahl der Tropennächte. Auswertung: Coway Europe

Nicht nur die Wärme hält wach – auch die Luft.

Warme Nächte stellen vor eine unbequeme Wahl. Bleibt das Fenster offen, kommen Straßenlärm, Pollen und Abgase herein – Reize, die den Schlaf flacher machen und häufiger aufwachen lassen. Bleibt es geschlossen, staut sich die Luft, die Feuchtigkeit steigt, und mit jeder Stunde reichert sich der Raum mit Kohlendioxid an, was den Schlaf ebenfalls unruhiger werden lässt. So entscheidet in heißen Nächten nicht allein die Temperatur über die Erholung, sondern auch die Qualität der Luft, die man im Schlaf einatmet.

Anders als das Wetter draußen lässt sich die Schlafumgebung beeinflussen – die Temperatur ebenso wie die Luft. Und fürs Schlafen zählt am Ende ohnehin nicht das Messfeld, sondern das Schlafzimmer: Dort ist es meist wärmer als im Freien, weil Räume die Tageshitze speichern und nachts abgeben, besonders unterm Dach und hinter großen Fensterflächen nach Süden oder Westen. Eine im Freien gemessene Tropennacht von 21 Grad kann im Schlafzimmer deutlich darüber liegen – und die Luft dort schlechter sein, als die Wetterstatistik vermuten lässt.

„Was der Deutsche Wetterdienst misst, ist die Luft über einer Rasenfläche. Was zählt, ist die Luft über dem Kopfkissen – und die verhält sich anders. Räume geben nachts die Wärme ab, die sie tagsüber gespeichert haben. Wer im Sommer schlecht schläft, sollte deshalb nicht nur auf die Temperatur schauen, sondern auch darauf, wie gut die Luft im Raum tatsächlich zirkuliert und gefiltert wird."

Rodney Ryu, Managing Director Coway Europe

Besser schlafen in heißen Nächten. Das Schlafzimmer möglichst kühl halten: tagsüber konsequent verschatten, bevor die Sonne den Raum aufheizt – Außenjalousien wirken deutlich besser als Innenvorhänge. Gelüftet wird in den kühlsten Stunden, meist zwischen drei und sieben Uhr morgens. Leichte Bettwäsche aus Naturfasern und ein Ventilator, der die Luft in Bewegung hält, senken die gefühlte Temperatur zusätzlich. Wer wegen Lärm, Pollen oder Feinstaub nachts nicht lüften kann, hält mit einem Luftreiniger zumindest Partikel und Allergene im geschlossenen Schlafzimmer niedrig.

Alle 42 Großstädte im Überblick

RangStadtBundesland Tropennächte 2026 2025 Wärmste Nacht Längste Serie Stationen

Zeitraum jeweils 1. Juni bis 20. August · Quelle: DWD, Auswertung Coway Europe

Zur Auswertung. Grundlage sind die Tagesminima der Lufttemperatur des Deutschen Wetterdienstes. Als Tropennacht gilt ein Nachtminimum von 20,0 Grad Celsius oder darüber. Ausgewertet wurde der Zeitraum 1. Juni bis 20. August, für beide Jahre identisch.

Berücksichtigt wurden die 42 deutschen Großstädte ab 100.000 Einwohnern, für die eine DWD-Messstation im Stadtgebiet vorliegt. Liegen mehrere Stationen in einer Stadt, wird der Mittelwert ausgewiesen und die Spanne zwischen den Stationen genannt. Stationen außerhalb der Stadtgrenzen wurden nicht zugeordnet – darunter die Flughäfen Stuttgart, München, Leipzig/Halle und Berlin Brandenburg, die auf dem Gebiet von Nachbargemeinden liegen. Die dem Gesamtdatensatz zugrunde liegenden 95 Stationen umfassen zusätzlich zahlreiche Standorte in kleineren Gemeinden.

Der deutliche Anstieg gegenüber dem Vorjahr geht überwiegend auf eine einzelne Wetterlage zurück: An den meisten Stationen begann die längste zusammenhängende Serie von Tropennächten zwischen dem 19. und dem 28. Juni, während Juli und August weitgehend unauffällig verliefen.

Tropennächte entstehen aus dem Zusammenspiel von Großwetterlage, Topografie, Bodenbeschaffenheit und Bebauungsdichte im Umfeld der jeweiligen Messstation. Schon innerhalb einer Stadt kann das erheblich streuen: In Stuttgart zählte die Station auf dem Schnarrenberg im Talkessel 17 Tropennächte, die auf der Filderebene bei Echterdingen im selben Zeitraum sechs. Die Werte sind Standortmesswerte und geben daher nur begrenzt Aufschluss über das gesamte Stadtgebiet oder kommunale Entscheidungen.

Datenquelle: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center. Nutzung nach GeoNutzV. Auswertung und Aufbereitung: Coway Europe.