Luftqualität · Analyse

Feinstaub-Report: Die Luftqualität in Deutschland im Juli 2026

Eine Analyse von Coway Europe

1. August 2026·Datenquelle: Umweltbundesamt (UBA)


Der Juli 2026 war für die deutsche Luftqualität ein guter Monat. An 340 Messstationen lag der Monatsmittelwert für Feinstaub (PM10) im Durchschnitt bei 13,96 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – deutlich unter dem aktuell geltenden EU-Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ und auch unter dem verschärften Wert von 20 µg/m³, der ab 2030 europaweit bindend wird. Das zeigt eine Auswertung von Coway Europe auf Basis der offiziellen Messdaten des Umweltbundesamtes (UBA).

Den bundesweiten Bestwert liefert erneut die Zugspitze (Station Schneefernerhaus) in 2.650 Metern Höhe mit 5,90 µg/m³ – noch einmal deutlich niedriger als im Juni. Es folgen das erzgebirgische Carlsfeld (7,62 µg/m³) und Klingenthal (8,00 µg/m³) sowie mit Kiel-Bremerskamp (8,47 µg/m³) der sauberste großstädtische Messpunkt Deutschlands. Der sauberste Tag des Monats war der 5. Juli: An 170 Stationen, also der Hälfte des gesamten Messnetzes, fiel der niedrigste Tageswert des Monats auf dieses Datum.

Die zehn saubersten Messorte

PM10-Monatsmittel im Juli 2026, in µg/m³ · Auswertung: Coway Europe

Auffällig ist die geografische Verteilung: Sachsen stellt mit Carlsfeld, Klingenthal, Niesky und Plauen vier der zehn saubersten Messorte. Dazu kommen zwei Standorte des UBA-Hintergrundmessnetzes und mit Netphen sowie Lüdenscheid zwei Orte im südwestfälischen Bergland. Es handelt sich fast durchweg um Höhen-, Wald- und Küstenlagen abseits der großen Verkehrsachsen.

Die zehn saubersten Großstädte

Städte über 200.000 Einwohner, Durchschnitt aller Messstationen im Stadtgebiet, PM10-Monatsmittel im Juli 2026, in µg/m³ – gleiche Skala zum Vergleich · Auswertung: Coway Europe

An der Spitze der Großstädte stehen mit Kiel (9,98 µg/m³) und Lübeck (10,61 µg/m³) zwei Ostseestädte, die von beständiger Luftbewegung über der Küste profitieren. Dahinter folgen Dresden und Bielefeld. Nordrhein-Westfalen stellt mit Bielefeld, Wuppertal und Münster drei der zehn Plätze, Sachsen mit Dresden und Chemnitz zwei.

Über alle 39 deutschen Großstädte mit mindestens einer Messstation hinweg ist das Bild eindeutig: 38 von ihnen lagen im Juli im Stadtdurchschnitt unter dem künftigen 20er-Grenzwert, 21 sogar unter dem WHO-Richtwert von 15 µg/m³.

Ein Stadtdurchschnitt glättet allerdings erhebliche Unterschiede innerhalb einer Stadt. In Bremen reichen die sieben Standortwerte von 10,63 bis 14,77 µg/m³, in Hamburg die zehn Werte von 11,10 bis 21,60 µg/m³ – je nachdem, ob eine Station im Wohnquartier, an einer Hauptverkehrsachse oder im Hafenumfeld misst. Auch die Zahl der Messstationen unterscheidet sich stark: Berlin betreibt zwölf, Chemnitz und Nürnberg jeweils eine. Die belastbare Einzelaussage liefert deshalb immer der einzelne Messpunkt.

Berlin: alle zwölf Stationen im grünen Bereich

Berliner können weiter durchatmen. Die höchste Berliner Station – die Leipziger Straße – kommt im Juli auf 18,53 µg/m³ und liegt damit auf Rang 21 der bundesweit höchsten Monatsmittelwerte. Der einstige Dauerplatz in den Top 10 ist damit auch im zweiten Monat in Folge Geschichte.

Bemerkenswerter als die Platzierung ist die Breite des Befunds: Alle zwölf Berliner Messstationen lagen im Juli unter 20 µg/m³ und erfüllen damit bereits den Grenzwert, der erst 2030 in Kraft tritt. Auch bei den Tageswerten blieb die Hauptstadt durchgehend unauffällig – der höchste in Berlin gemessene Tageswert lag bei 32 µg/m³ und damit klar unter der 50er-Marke. Die niedrigsten Werte meldeten Friedrichshagen (11,80 µg/m³) und Buch (11,87 µg/m³) im Osten und Nordosten der Stadt. Über alle zwölf Standorte gemittelt kommt Berlin auf 14,88 µg/m³.

Alle zwölf Berliner PM10-Messstationen im Juli 2026, sortiert vom niedrigsten Monatsmittelwert. Der Rang bezieht sich auf alle 340 bundesweit ausgewerteten Stationen: Rang 1 steht für den niedrigsten, Rang 340 für den höchsten Monatsmittelwert. Die Datumsspalte nennt den Tag des höchsten Tageswerts. Angaben in µg/m³ · Auswertung: Coway Europe
Messstation Ø PM10 Min Max Datum Rang (von 340)
Friedrichshagen11,8071826.07.73
Buch11,8761930.07.78
Grunewald (3.5 m)12,0771930.07.84
Wedding12,3062230.07.97
Schildhornstraße12,4762430.07.104
Neukölln12,8372017.07.124
Mitte14,3773231.07.206
Silbersteinstraße 517,83103130.07.310
Karl-Marx-Straße II18,10112914.07.314
Frankfurter Allee18,20102925.07.316
Mariendorfer Damm 14818,20112730.07.317
Leipziger Straße (MC)18,53112930.07.320

Einordnung: viel Luft nach oben – im positiven Sinn

Sämtliche Messpunkte liegen deutlich unter dem aktuell gültigen EU-Jahresgrenzwert von 40 µg/m³. Entscheidend ist aber die höher gelegte Latte: Mit der überarbeiteten EU-Luftqualitätsrichtlinie, die seit Dezember 2024 in Kraft ist, sinkt der verbindliche PM10-Jahresgrenzwert ab 2030 auf 20 µg/m³. Im Juli hielten 328 von 340 Stationen diese künftige Marke bereits ein – vier Jahre vor Inkrafttreten. Zum Vergleich: Der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei 15 µg/m³.

Bei den Tageswerten fällt die Bilanz ähnlich aus. Der EU-Tagesgrenzwert von 50 µg/m³ darf pro Jahr an bis zu 35 Tagen überschritten werden; ab 2030 gilt eine Marke von 45 µg/m³ an höchstens 18 Tagen. Im gesamten Juli wurde die 50er-Marke an 326 der 340 Stationen an keinem einzigen Tag erreicht.

Einordnend gilt: PM10-Werte schwanken jahreszeitlich erheblich. In den Sommermonaten fehlen die typischen Winterfaktoren – Heizungsemissionen und austauscharme Inversionswetterlagen –, die im Jahresverlauf für die höchsten Belastungen sorgen. Ein guter Julimonat ist damit kein Beleg für ganzjährige Grenzwerteinhaltung, sondern eine Momentaufnahme. Aussagekräftig wird der Vergleich erst über zwölf Monate.

PM10-Mittelwerte nach Bundesland

Durchschnitt aller Messstationen je Bundesland, PM10-Monatsmittel im Juli 2026, in µg/m³ · Auswertung: Coway Europe

Schleswig-Holstein führt das Länderfeld mit 10,38 µg/m³ an, gefolgt von Sachsen und Thüringen. In Schleswig-Holstein, Thüringen und Bremen lag im Juli keine einzige Messstation über dem WHO-Richtwert von 15 µg/m³.

„Fast alle Messstationen hielten im Juli den Grenzwert, der erst 2030 verbindlich wird, ein. Gerade deshalb richtet sich der Blick jetzt stärker auf die Luft in Innenräumen. Rund 90 Prozent des Tages verbringen wir in Innenräumen – und dort entsteht Feinstaub aus ganz eigenen Quellen: Kochen, Kerzen, Textilien, aufgewirbelter Staub. Diese Werte tauchen in keiner offiziellen Statistik auf, weil sie schlicht nicht gemessen werden. Wer seine Luftqualität verbessern will, hat drinnen den größeren Hebel.“

Rodney Ryu, Managing Director Coway Europe

Alle 340 Messstationen im Überblick

Der vollständige Datensatz – nach Stadt oder Station suchen, nach Bundesland filtern, jede Spalte per Klick sortieren. Rang 1 steht für den niedrigsten Monatsmittelwert; die Datumsspalte nennt den Tag, an dem der höchste Tageswert des Monats gemessen wurde.

Rang Messstation Stadt Bundesland Ø PM10 Min Max Datum Tage

Zur Auswertung: Grundlage sind die vorläufigen PM10-Messdaten des Umweltbundesamtes für Juli 2026 (Messnetze der Länder und des Bundes), Zeitraum 1. bis 31. Juli 2026, abgerufen am 1. August 2026. Verglichen wurden die Monatsmittelwerte aller Stationen mit mindestens 27 Messtagen. Für die Großstadtwerte wurde der Durchschnitt aller Stationen im jeweiligen Stadtgebiet gebildet; die Zahl der Stationen je Stadt ist unterschiedlich und unter dem Städtenamen ausgewiesen. Das Ranking beschreibt einzelne Messstandorte, nicht das gesamte Stadtgebiet. Grenzwertangaben beziehen sich auf Jahresmittelwerte. Auswertung und Aufbereitung: Coway Europe.