Wo Deutschlands Allergiker am stärksten leiden: Allergie-Stress-Index 2026 | Coway Deutschland
Coway Europe · Analyse 2026

Hatschi! Wo Deutschlands Allergiker am stärksten leiden

Allergie-Stress-Index für 25 deutsche Großstädte: Pollenbelastung, Suchverhalten, strukturelles Risikoprofil und Facharzt-Versorgung in einem Ranking vereint.

75,8
Höchster Index-Wert (Karlsruhe)
2,6×
höher als Schlusslicht Hannover
10 / 25
Städte über dem Durchschnitt
12 Mio.
Heuschnupfen-Betroffene in DE (RKI)
Die Spitzenreiter

Die Allergie-Stress-Hauptstädte 2026

1
Karlsruhe
Baden-Württemberg
75,8
/ 100 Index
2
Mannheim
Baden-Württemberg
75,3
/ 100 Index
3
Stuttgart
Baden-Württemberg
70,1
/ 100 Index
Das vollständige Ranking

Alle 25 Städte im Vergleich

Gewichtete Punktzahl aus vier Komponenten (0 = kein Stress, 100 = maximaler Stress), sortiert von hoch nach niedrig. Klicken Sie auf eine Stadt, um die Einzelwerte einzublenden. Alle Sub-Scores ebenfalls auf einer einheitlichen 0–100-Skala. Blau markierte Städte liegen über dem bundesweiten Durchschnitt von Ø 49,3.

Deutlich über Durchschnitt (> 49,3)
Unter oder am Durchschnitt (≤ 49,3)

Die Pollensaison hat Deutschland fest im Griff und zwingt Millionen von Allergikern, sich mit laufenden Nasen, juckenden Augen und ständigen Niesattacken auseinanderzusetzen. Doch die Belastung ist nicht überall gleich.

Eine aktuelle Analyse von Coway Europe – der europäischen Niederlassung des koreanischen Herstellers von Luftreinigern – kombiniert vier unabhängige Datenquellen, um ein präzises Bild der regionalen Belastungssituation in den 25 größten deutschen Städten zu zeichnen. Das Ergebnis ist der Allergie-Stress-Index: ein gewichteter Score von 0 bis 100.

Methodik & Datenquellen

Der Index verbindet vier Dimensionen, die für Betroffene zusammenhängen: Was fliegt durch die Luft? Wie verbreitet ist das Leiden? Wo ist das Risikoprofil dauerhaft hoch? Und wie gut ist die ärztliche Versorgung? Alle vier Komponenten werden für die Index-Berechnung auf eine einheitliche Skala von 0 bis 100 normiert und anschließend gewichtet zum Gesamt-Index zusammengeführt.

  • Suchintensität (30 %): Google-Impressionen für das Keyword „Pollenallergie", normiert auf 1.000 Einwohner und anschließend auf eine 0–100-Skala übertragen. Misst, wie aktiv die Bevölkerung einer Stadt Informationen zum Thema sucht – ein Proxy für gefühlte Betroffenheit.
  • Pollenbelastung (25 %): Saisonales Belastungsprofil pro Region, basierend auf Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID). Berücksichtigt werden die acht allergologisch wichtigsten Pollenarten – Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia – über die gesamte Pollensaison, gewichtet nach allergener Potenz.
  • Strukturelles Risiko (25 %): Saisonübergreifender Risikoindex aus drei Sub-Komponenten: Ambrosia-Hotspot-Dichte (FU Berlin Atlas), Anteil allergener Stadtbäume wie Birke und Hasel, sowie Intensität des Frühjahrs-Pollenpeaks der jeweiligen Region.
  • Allergologen-Versorgung (20 %): Anzahl niedergelassener Allergologen pro 100.000 Einwohner. Wenige Fachärzte bedeuten höheren Allergie-Stress, weil Betroffene länger auf Diagnose und Therapie warten müssen. Der Wert geht entsprechend invertiert in den Gesamtindex ein – im Stadt-Detail wird jedoch die echte Allergologen-Dichte (Ärzte je 100.000 Einwohner) ausgewiesen.

Karlsruhe ist Deutschlands Allergie-Stress-Hauptstadt

Die Untersuchung hat mehrere zentrale Ergebnisse hervorgebracht:

  • Karlsruhe ist die Allergie-Stress-Hauptstadt Deutschlands: Mit einem Index von 75,8 verzeichnet die Stadt den höchsten Wert aller untersuchten Städte – getragen von intensiver Pollenbelastung (Oberrhein-Region), hohem strukturellem Risikoprofil und überdurchschnittlicher Suchintensität pro Kopf.
  • Starke Betroffenheit im Westen und Südwesten: Neben Karlsruhe weisen auch Mannheim (75,3), Stuttgart (70,1) und Frankfurt (66,7) deutlich überdurchschnittliche Werte auf. Die Rhein-Main- und Oberrhein-Achse ist die Hochburg des Allergie-Stresses.
  • Bundesweit liegt der Allergie-Stress-Index im Schnitt bei 49,3. Zehn der analysierten Städte liegen über diesem Wert.
  • Berlin überraschend stark betroffen (Rang 5, Index 61,4): Trotz unterdurchschnittlicher Suchintensität führt das höchste strukturelle Risikoprofil aller untersuchten Städte zu einem hohen Indexwert. Brandenburg gilt als Ambrosia-Hotspot, die Region als „Kieferland", und in der Stadt selbst stehen überdurchschnittlich viele Birken.
  • Sachsen-Effekt: Leipzig (Rang 8) und Dresden (Rang 9) landen im oberen Drittel, obwohl die Bevölkerung weniger sucht. Grund: solide Pollenbelastung trifft auf eine besonders dünne Allergologen-Versorgung – einer der niedrigsten Werte bundesweit.
  • Hannover als Schlusslicht (Index 28,9): Die niedersächsische Landeshauptstadt verfügt über die beste Facharzt-Versorgung aller untersuchten Städte. Diese Dichte puffert mittlere Pollenwerte erkennbar ab.

RKI-Daten bestätigen hohe Belastung

Die Ergebnisse der Coway-Analyse werden durch Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) untermauert. Laut aktuellen Erhebungen leiden rund 12 Millionen Menschen in Deutschland an Heuschnupfen, was sie zur häufigsten allergischen Erkrankung macht. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 30 Millionen Betroffenen.

Der Klimawandel trägt zusätzlich zur Verschärfung der Situation bei. Mildere Winter und höhere Durchschnittstemperaturen führen zu einer verlängerten Pollensaison. Hasel- und Erlenpollen können bereits im Dezember oder sogar November fliegen, während Gräser bis in den späten Herbst aktiv sind. Zudem fördern Umweltschadstoffe wie Ozon und Kohlendioxid die Produktion von aggressiveren, allergeneren Pollen.

Die Auswirkungen von Heuschnupfen gehen über das persönliche Wohlbefinden hinaus und haben auch volkswirtschaftliche Konsequenzen. Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Schlafstörungen führen zu einer verminderten Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf.

„Bis 2050 könnte jeder zweite Europäer betroffen sein"

Der Hamburger Allergieforscher Dr. Rüdiger Wahl beobachtet die Entwicklung seit Jahren. Seine Prognose gegenüber Coway Europe fällt eindringlich aus: Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte jeder zweite Europäer an einer Allergie leiden – schon heute sei etwa ein Drittel betroffen.

Das sind keine Randzahlen mehr, das ist ein Massenphänomen.

— Dr. Rüdiger Wahl, Allergieforscher

Verantwortlich dafür ist nach seiner Einschätzung vor allem der Klimawandel. Der Frühling beginnt inzwischen häufig bis zu zwei Wochen früher als noch vor einigen Jahrzehnten. Pflanzen reagieren sensibel auf Temperaturanstiege, treiben früher aus und setzen früher Pollen frei. Milde Herbste verlängern die Blütezeit zusätzlich. Für Betroffene bedeutet das: Die Belastungsphase wird nicht nur intensiver, sondern auch länger.

Sollten sich diese Prognosen bewahrheiten, stünden die Gesundheitssysteme vor einer massiven Belastung – mit Bedarf nach mehr Diagnostik, mehr Therapien und mehr Präventionsprogrammen. Zugleich wirft die Entwicklung Fragen auf, die über Medizin hinausreichen: Wie müssen Städte begrünt werden, ohne zusätzliche Allergenquellen zu schaffen? Welche Rolle spielen Verkehrspolitik und Luftreinhaltung? Und wie kann die Bevölkerung besser informiert werden, damit Betroffene rechtzeitig handeln können?

Im Gespräch mit Dr. Rüdiger Wahl

Im Coway-Interview erläutert der Hamburger Allergieexperte, warum Gräserpollen die größte Gruppe der Betroffenen treffen, welche Mengen Pollen tatsächlich durch unsere Luft fliegen und warum richtiges Lüften zur entscheidenden Schutzmaßnahme wird.

Welche Allergikergruppe ist am stärksten von der Pollensaison betroffen?
„Etwa 70 Prozent aller Pollenallergiker zählen zu den Gräserpollenallergikern. Das ist eine enorme Zahl. Aufgrund der Kreuzreaktion gehören auch die Roggenpollen dazu. Wer auf Wiesenlieschgras reagiert, reagiert eben auch auf Roggen."
Wie sollten Allergiker richtig lüften?
„Das ist vielleicht die wichtigste Frage überhaupt – und es hängt entscheidend davon ab, wo man wohnt. In der Stadt sollten Gräserpollenallergiker zwischen 6 und 8 Uhr morgens lüften, weil dort abends die Pollenbelastung am höchsten ist. Auf dem Land ist es genau umgekehrt: Dort lüftet man am besten zwischen 19 und 24 Uhr, weil die Pollenkonzentration morgens ihren Höhepunkt erreicht. Und immer Stoßlüftung – auf gar keinen Fall das Fenster dauerhaft auf Kipp stehen lassen."
Es gibt eine überraschende Verbindung zwischen Gräserpollen und Schimmelpilzen. Worum geht es?
„Bei der Auswertung einer Pollenfalle habe ich festgestellt, dass an jeder Gräserpolle der Schimmelpilz Cladosporium herbarum klebte. Das hat massive Konsequenzen für die Diagnostik: Man muss ausschließen, dass es sich beim Patienten nicht in Wahrheit um einen Schimmelpilzallergiker handelt statt um einen Gräserpollenallergiker. Sind Gräserpollenallergiker womöglich verkappte Schimmelpilzallergiker? Daran sollte man bei der Diagnose unbedingt denken."
Warum sollte man bei Regen nicht ins Freie gehen?
„Bei Regen sollte man auf keinen Fall ins Freie gehen. Die Pollen saugen sich mit Wasser voll, fallen zu Boden und platzen. Dabei werden kleine Partikel freigesetzt, die tief in die Lunge eindringen können. Erst etwa 30 Minuten nach dem Regen darf man wieder nach draußen."
Welche Therapie empfehlen Sie Betroffenen?
„Niemand muss in dieser Saison leiden – das möchte ich ausdrücklich betonen. Es gibt sehr gute Medikamente wie Antihistaminika und Cortison. Allerdings müssen die oft ein Leben lang eingenommen werden. Deutlich besser ist die kausale Therapie, also die spezifische Immuntherapie. Sie dauert in der Regel drei Jahre, bringt aber oft gute Linderung und manchmal sogar vollständige Symptomfreiheit. Die Erfolgsquote liegt zwischen 70 und 90 Prozent."
Über den Experten
Dr. Rüdiger Wahl

Studierte Biologie, Chemie und Biochemie an den Universitäten Tübingen und Hamburg, promovierte zum Dr. rer. nat. Über 30 Jahre leitete er das Forschungs- und Entwicklungslabor der Allergopharma Joachim Ganzer KG in Reinbek und prägte in dieser Zeit die Allergieforschung und -diagnostik maßgeblich mit. Veröffentlichte rund 220 wissenschaftliche Arbeiten, hielt etwa 1.000 Vorträge auf Kongressen und Fortbildungen und ist Autor von sieben allgemeinverständlichen Fachbüchern. Sein bekanntestes Werk „Allergie ganz einfach" zählt zu den meistverkauften Allergiebüchern in Deutschland.